Erst einmal beachten:

Written by BOFH
Sonntag, 23 März 2008
Das OLG Brandenburg fällte am 28.06.2007 dieses interessante Urteil, AZ: 12 U 209/06, das sich manch eine Motorradgruppe zu Herzen nehmen sollte:

Wenn diese Gruppe zu schnell fährt, dabei die erforderlichen Abstände nicht eingehalten werden, ist die gegenseitige Haftung ausgeschlossen!

Es war eine alltägliche Situation, wie sie jeder von uns an den Wochenenden kennt.

Man verabredet sich zu einer Ausfahrt mit den Bikerfreunden und hat so eine mehr oder weniger große Gruppe zusammen. Wie üblich wird die Reihenfolge ausgemacht, wer vorne den Pfadfinder macht, wer den Lumpensammler spielt usw. , außerdem wird noch verabredet, dass man versetzt im Pulk fährt, man will ja auch nicht, dass die Gruppe auseinanderreißt. Über die Einhaltung von Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Überholverboten wird da nicht extra gesprochen, vor allem auch dann, wenn es sich nicht nur um eine Gruppe von Chopper- oder Cruiserfahrern handelt.


Man fuhr also los und im Laufe der Ausfahrt wurde auch die eine oder andere Vorschrift der StVO nicht so ernst genommen, z.b. Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Überholverbot durch Zeichen 295 mißachtet, wer kennt diese Situationen nicht? Gerade die Hintermänner müssen sich oft sputen um den Anschluß in manchen Situationen nicht zu verlieren, oder in die Gruppe "einbrechende" PKW werden dann noch "schnell" überholt, trotz Verbot.

Der Führende entdeckte nun während der Fahrt eine Radarkontrolle und geht plötzlich sehr stark in die Eisen. Einer der Nachfolgenden hat das wohl verschlafen und fährt auf den Bremser auf, beide Bikes beschädigt und was nun folgt war ein Streit um die Begleichung des Schadens durch die Instanzen der deutschen Gerichte, der jetzt vor dem OLG Brandenburg endete.

Das Fahren in Gruppen im Pulk ist besonders gefahrenträchtig

Dies stellte das OLG fest und lies beide Biker auf ihren eigenen Schäden sitzen. Das gilt besonders dann, wenn während der Ausfahrt erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen gebilligt werden, was auch dadurch gezeigt wurde, das sowohl der Kläger, als auch der Beklagte kurz vor dem Unfall, einen PKW verbotswiedrig (Zeichen 295) überholt haben, und somit deutlich wurde, dass die Einhaltung der StVO nicht von Interesse war.

Haftungsausschluss ähnlich wie bei Sportveranstaltungen

Nach Ansicht des Gerichts, handelte es sich zwar nicht um ein Rennen, gleichwohl muß dabei aber, ausgehend von der Rechtssprechung des Bundesgerichtshofes (BGH), ein stillschweigender Haftungsausschluss angenommen werden.
Diese für Motorradrennen und andere Veranstaltungen entwickelten Grundsätze, können nach obergerichtlicher Rechtssprechung auch für Bereiche außerhalb sportlicher Wettkampfspiele angewendet werden.

Verstärkte (Sturz)Risiken werden in Kauf genommen

In diesem, sehr konkreten Fall, war das Fahren im Pulk besonders gefahrenträchtig, auch weil dabei zwangsläufig auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Abstände zu dem Vorder und zum Nebenmann verzichtet wurde. Das heißt aber auch gleichzeitig ein höheres Sturzrisiko für alle Teilnehmer, was auch durch erhöhte Aufmerksamkeit nicht ausgeschlossen werden kann. Die Richter argumentierten, dass im Pulk, wie bei einem Rennen, jederzeit Situationen auftreten können, die unerwartete Richtungswechsel oder eben Bremsmanöver erfordern.

Deswegen musste jeder der beiden Fahrer seine Schaden selbst tragen!


Solltet Ihr also jetzt in der beginnenden Saison wieder in Gruppen unterwegs sein, bedenkt dass ihr immer die erforderlichen Abstände zu den Vordermännern oder -frauen einhaltet!
(Die alte 2 Sekunden Regelung aus der Fahrschule hat sich dabei immer bewährt)

Die Seitenabstände ebenfalls eingehalten werden, d.h. nie direkt nebeneinander fahren, immer entsprechend versetzt.

Und vor allem :
Haltet Euch an die vorgeschriebenen zulässigen Höchstgeschwindigkeiten und die Überholverbote!

Rote Ampeln sind tabu : Wer bei ROT fährt kassiert 3 Punkte, wenn die Rotphase länger als 1 Sekunde angedauert hat, sogar ein Fahrverbot von 1 Monat !

 

Ein paar Tips und Anforderungen zum
Gruppenfahren



Gruppenfahren ist anspruchsvoller als alleine oder zu zweit fahren. Deswegen muß jeder die häufigsten Konfliktfälle und Unfallursachen kennen und vermeiden helfen.

Zuverlässigkeit
Alle erscheinen vollgetankt und pünktlich am vereinbarten Treffpunkt, so daß es planmäßig losgehen kann und die anderen nicht warten müssen.

Route absprechen
Vor der Abfahrt wird die Route bekannt gemacht, damit jeder eine Ahnung von der Sache hat und möglicherweise auch alleine fahren könnte.

Tankintervalle festlegen und einhalten
Vor der Abfahrt werden auch die Tankintervalle abgestimmt. Beim Start sollte jeder vollgetankt haben, und bei Tankstops sollten stets alle auffüllen.

Positionen festlegen und beibehalten
Vor der Abfahrt werden ferner die Fahrerpositionen abgestimmt. Um Unfälle durch Mißverständnisse zu vermeiden wird nicht überholt und nicht getauscht.
Grundregels Nr. 1 lautet: Niemnd überholt den Roadcaptain! Es sei denn, er verläßt den Convoi (nach Absprche!)

Die Führungsposition
Die Führungsposition übernimmt ein erfahrener Fahrer, der mit der Wegstrecke vertraut sein muß und die Route auch sicher fahren kann.

Das Mittelfeld
Ihm folgt der Fahrer mit der wenigsten Erfahrung oder dem schwächsten Motorrad, so daß der Vorausfahrer den Fahrstil an dieser Person ausrichten kann.

Das Schlußlicht
Das Schlußlicht übernimmt wiederum ein erfahrener Fahrer, der die Gruppe zusammenhalten kann und den aufkommenden Verkehr im Blick haben muß.

Wenn es trotzdem nicht klappt
Bei Gruppen mit Teilnehmern in großer Zahl, mit unterschiedlicher Erfahrung oder verschiedenen Motorradtypen muß die Gruppe eben geteilt werden.

Positionen beibehalten
Um Mißverständnisse zu vermeiden wird innerhalb der Gruppe nicht überholt und werden die Positionen nur nach Rücksprache mit dem Vorausfahrer getauscht.
Verläßt ein Fahrer den Konvoi (immer nach vorn!), rückt der Rest der Kolonne entsprechedn nach.

Versetzt fahren
Gefahren wird in zwei Spuren versetzt, so daß der Hintermann das Gesicht des Vordermannes in dessen Spiegel sieht.

Blickkontakt halten
Sofort langsamer fahren und nötigenfalls anhalten, wenn der Hintermann zurückfällt oder warten muß. So bleibt der Verband geschlossen und keiner wird abgehängt.

Kurvenfahren
Zum Kurvenfahren streckt sich der Zug auf eine Spur, so daß jeder seine Linie ungehindert fahren kann.

Nebeneinander halten
Gehalten und losgefahren wird wiederum nebeneinader, so daß Kreuzungen mit Ampeln oder mit starkem Verkehr möglichst geschlossen passiert werden können.



Rechtzeitig blinken
Die Absicht zum Abbiegen oder Anhalten muß mehrere Sekunden vor der Aktion durch Blinken signalisiert werden, sonst rasselt die Bande aufeinander.


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Vorsichtig überholen
Andere Fahrzeuge werden nur dann überholt, wenn nachfolgende Mitfahrer oder idealerweise der Rest der Gruppe sicher folgen können. Auf Autobahnen ist es sinnvoll, daß der Verband geschlossen ausschert und überholt. Der Leader zeigt an (Blinklicht!), dass er überholen will, derletzte Fahrer schert als "Blocker" aus dem Verband nach links aus. Achtung! Nur machen, wenn es der Verkehr zuläßt.

Pausen nicht vergessen
Natürlich muß der Vorausfahrer an Pausen denken, bevor die ersten wegen Müdigkeit, Nikotinentzug oder Spritmangel umfallen. Pausen sind Gelegenheiten zur Erholung und zu erneuter Absprache.

Stadtdurchfahrten
Hier empfiehlt es sich, nicht nach jeder Ampel anzuhalten und auf den Resttroß zu warten. Der Leader sollte lieber einen markanten Anhaltepunkt wählen und nach einer längeren Fahrstrecke,
sofern es immer noch "geradeaus" geht und die Sicht nicht allzu verloren geht, anhalten. Der folgende Konvoi gibt immer durch Fingerzeig (ein Finger, zwei Finger usw.) an, wieviel Konvois entstanden sind.
Außerdem muß der Leader durch Handzeichen (gehobene linke Hand) den Abgehängten anzeigen, dass er das Auseinanderreißen gesehen hat.

Ansonsten
Jeder ist für sich selbst verantwortlich und fährt ohne jegliche Ansprüche an andere Mitfahrer oder den Vorausfahrer.
Sich nicht mitziehen lassen. Das gilt besonders an Kreuzungen, beim Überholen und was das Tempo angeht.
Position beibehalten und innerhalb der Gruppe nicht gegenseitig überholen. Schnell kann es hierbei zu Mißverständnissen und Folgeunfällen kommen.
Probleme schnell zur Sprache bringen, entweder bei der nächsten Pause oder nötigenfalls durch sofortiges Anhalten.

 


Bezüglich Ablauf, Ausfall oder Verlegung von Touren wird keine Haftung übernommen. Bei Unfällen haften ausschließlich die unmittelbar Beteiligten. Jeder Teilnahme erfolgt auf eignene Gefahr und unter Einbeziehung des Haftungsausschlusses.
Vielen Dank bei der: Copyright © 2001–2006 Stars & Wings Motorcycle Group und dem NST für die schönen bewegten Grafiken